Kultur-Tabu-Bruch?
läßt man sich von künstlicher Intelligenz vertonen?
Während ich meine K.I.-Musiker ein Lied oft „einproben“ lasse, schreibe ich den Text viele male um. Ich höre den Rhythmus und spüre, wo Worte nicht passen. Das bedeutet oft hunderte Durchläufe, auch wenn es am Ende vielleicht nur fünfzig Textversionen waren für Wortspross. Jedes Wort drehe ich um und tausche ich aus.
Insofern sind hier, kurz gesagt, durchaus “K.I.-unterstützte Lieder” zu hören! Ich danke der künstlichen Intelligenz als sehr brauchbares Werkzeug auf meiner Suche… nach Resonanz in einem neuen Lied. Ohne K.I. hätte ich diese Geduld mit meinen Texten nie!
(Fehlende Resonanz war der Tod. Heute resoniert sogar Silizium. Üppig. Beschreibt um Euer Leben!)
Apropos technische Hilfsmittel: Auch ein Online-Reimlexikon nutze ich gern. Aber nicht für „Wortspross“. Dieses Wort wollte einfach geschrieben werden – da gab es kaum Suche, sondern Rückmeldung. Mit jedem Durchgang fügte sich der Text besser. Einem Bild sieht man manchmal an, wie es gemacht wurde: Wer erkennt einem Text heute an, wie er gemacht worden ist, und ob bedacht mit Sorgfalt! Menschen in den letzten Tagen erkennen ja auch kaum mehr, wie ein gesunder Körper gemacht worden ist.
Zurück zur “künstlichen Intelligenz”: Im Dichten finde ich die bisher noch begrenzt. Reim und Rhythmus fallen ihr zu leicht, aber sie machen eben kein Gedicht; entscheidend ist die natürliche und harmonische Reihung von Gedanken, Bildern und universellen Erinnerungen. In Resonanz.
Aus folgendem Grund sage ich auch ungern “künstliche Intelligenz”: “Fortsetzungsmodelle” sind es technisch. Wie jedes technische Hilfsmittel nutzt man es am geschicktesten, indem man sich seine Mechanik richtig vorstellt. Sicher wird KI eines Tages Gedichte schreiben, die mehr Menschen bannen werden als die des Schülers. Und ebenso beeindrucken Goethe und Schiller mehr als unsere eigenen Texte.
Dies ist eben nicht unser Problem:
dass Texte immer intelligenter werden –
menschlich oder künstlich!
Unser Problem bannt zuletzt die Mehrheit
mit einfachsten viralen Mikrotexten wie
“sicher und wirksam”
und fragmentiert mehrheitlich
sogar Beziehungen zwischen den Worten.
Sicher wird KI mehr Menschen bannen als ich und Du zusammen. Und eben so wie Goethe und Schiller beeindruckten, solltes sie uns nie entmutigt haben, sondern anspornen selbst intelligenter zu schreiben: “Laufet Brüder Eure Bahn, Freudig! Wie ein Held zum Siegen!”
Im Gegenteil! Vorbildhaft wollte Es uns immer inspirieren, uns zu verbessern und nicht abhalten zu lassen. Wo Demoralisierung scheint, gerade da soll Ansporn sprießen!
KI Slop? Unsere kulturellen Blüten lebendig zu bewahren und fortzupflanzen ist nicht wie Don Quichotte anzurennen gegen die reaktanten Mühlen im Wind, vergebens und letztlich lächerlich.
Nein, wir sollen selbst blühen und uns selbst Mühe geben, so gut wir können zu verbessern, was wir heute und von gestern haben.
Apropos besser schreiben: Ich schicke meine Texte durchaus gerne zu jener Lektor:In, die sich dafür Zeit nimmt (und zwar heute sofort): also der künstlichen Intelligenz.
Nun, wer hört denn um stimmigen Tabubruch bedachten Texten zu, wenn nicht Du?